Diskussion um Bewertungsreserven

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Die Bundesregierung sucht aktuell nach Lösungen, wie zukünftig Kunden von Lebensversicherungen an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere beteiligt werden sollen. Was diese Kunden jetzt beachten sollten und warum die meisten von einer Neuregelung der Beteiligung profitieren würden.

Was sind Bewertungsreserven eigentlich?
Bewertungsreserven entstehen, wenn der Marktwert eines Wertpapiers über dem ursprünglichen Kaufpreis liegt. Das ist bei festverzinslichen Papieren – zum Beispiel Staatsanleihen – der Fall, wenn die Zinsen sinken. Papiere mit höherem Zins, die die Versicherer schon vor ein paar Jahren gekauft haben, steigen dann im Wert.

Seitdem die Zinsen auf historische Tiefstwerte gefallen sind, haben sich auf die festverzinslichen Wertpapiere der Lebensversicherer hohe Bewertungsreserven gebildet. Der Wertzuwachs jedes festverzinslichen Papiers ist jedoch vorübergehend – anders als bei Aktien oder Immobilien, wo er von Dauer sein kann. Je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem ein festverzinsliches Papier fällig wird, desto stärker geht sein Wert auf das Ausgangsniveau zurück: Die Bewertungsreserven sind am Ende der Laufzeit immer gleich Null. Wenn Versicherer solche Papiere also wie üblich bis zum Ende der Laufzeit halten, bekommen sie aus Bewertungsreserven keine zusätzlichen Erträge.

Konkret würden 95 Prozent der Kunden, die eine noch länger laufende Lebensversicherung haben, von einer Neuregelung profitieren. Denn die Lebensversicherer wären nicht mehr gezwungen, hoch verzinste Papiere vorzeitig zu verkaufen – um nur auf dem Papier bestehende Buchgewinne an die jetzt ausscheidenden Lebensversicherungskunden hälftig auszuzahlen. Der Versichertengemeinschaft gingen so keine für die Zukunft eingeplanten Mittel verloren.

Die heutige Regelung hingegen ist für die Mehrheit der Versicherten ungerecht. Die hohen Sonderausschüttungen, die an die jetzt abgehenden Verträge ausgeschüttet werden müssen, schwächen die Substanz für die Kunden, deren Verträge noch weiterlaufen. Sie zahlen dafür in den kommenden Jahren den Preis einer niedrigeren Verzinsung.

Bei der Neuregelung geht es aber nicht darum, die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven insgesamt abzuschaffen, sondern ausschließlich um eine Änderung bei festverzinslichen Papieren. Die veränderte Regelung soll nur so lange gelten, wie das künstliche Niedrigzinsumfeld anhält. Nicht in der Diskussion sind Änderungen bei Bewertungsreserven aus Aktien und Immobilien.

Von einer Anpassung der Bewertungsreservenbeteiligung profitiert ausschließlich die Versichertengemeinschaft. Mit anderen Worten: Die durch eine Modifikation der Regelung bewahrten Mittel stehen ausschließlich der Gesamtheit der Versicherten zur Verfügung. Den Versicherungsunternehmen bzw. Aktionären selbst käme aus den Neuregelungen kein Euro zugute.

Ziel einer Anpassung der aktuellen Regelung ist ein fairer Interessenausgleich zwischen den ausscheidenden und im Bestand verbleibenden Versicherungsnehmern. Sie soll die langfristige Erfüllbarkeit der Garantiezusagen sicherstellen.

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