"Vergleichsportale bei Versicherungen unglaubwürdig"

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In der Welt vom 27.04.2014 heißt es: "Je billiger, desto besser, diese Devise gilt für viele Kunden die im Internet auf Shopping-Tour gehen. Doch gerade bei Versicherungen kann sich diese Discountermentalität schnell rächen. Mithilfe von Vergleichsportalen glauben die Verbraucher, sich mit nur wenigen Klicks einen Marktüberblick verschaffen zu können.

Doch in vielen Fällen ist die unabhängige Transparenz nur vorgegaukelt. Wie genau die Portale zu ihren Ergebnissen kommen, ist selten nachvollziehbar, und oftmals werden nicht alle Angebote angezeigt – auch mit der Unabhängigkeit ist es nicht immer weit her. Das trifft auch auf Transparo zu: Das Portal für Versicherungsvergleiche gehört der HUK Coburg, Talanx und der Württembergischen Gemeindeversicherung (WGV). In den Rankings finden Verbraucher deren Policen meist ziemlich weit oben. Das hat die Glaubwürdigkeit des Portals stark beschädigt. Transparo ist nichts anderes als ein Online-Versicherungsmakler. Schließt der Kunde einen Vertrag ab, bekommt das Portal eine Provision vom Anbieter überwiesen. Auch andere Portale wie etwa der Marktführer Check24 funktionieren so. Um reines Vergleichen und Beratung geht es also nicht – die Portale sind ... an Abschlüssen interessiert."

Fazit: Portale sind weder transparent noch wirklich billig. Wie sollte das auch gehen? Der Betrieb eines Portals ist nicht zum Nulltarif zu haben. Personal-, Sach- und erhebliche Marketingkosten wollen finanziert sein. Es geht selbstverständlich um wirtschaftliche Interessen, Abschlüsse und Abschlussvergütungen.

Worin besteht dann der Mehrwert für Kunden und Versicherer? Für Versicherer scheint es ihn nicht wirklich zu geben, wie man an Transparo sieht. Und für Kunden sieht es wenig besser aus. Sie erhalten einen Überblick über die Versicherer, die im Portal gezeigt werden, ja. Sogar teilweise einen "Leistungsvergleich", mehr nicht. Sonderfälle, individuelle Anforderungen oder gar Beratung und Unterstützung im Schadenfall gibt es hier nicht.

Wenngleich gewerberechtlich als Versicherungsmakler tätig, erfüllen Portale damit jedoch nicht, was rechtlich von einem Versicherungsmakler erwartet wird. Nämlich die Interessen seines Mandanten wahrzunehmen. Dass hierzu heute der Einsatz von Vergleichssoftware notwendig ist, steht außer Frage. Die Eingabe tarifierungsrelevanter Daten ist jedoch eher selten geeignet, passgenaue Angebote zu finden. Auch die Bennung von Leistungsmerkmalen der Tarife ist zwar notwendig aber eben nicht hinreichend. Häufig werden ergänzende Informationen benötigt, um die Relevanz einzelner Tarifmerkmale zu erkennen und im Hinblick auf den Kundenbedarf interpretieren zu können.

Erstaunlich also, dass der Weg zu einem fachkundigen Makler in der Presse so selten empfohlen wird. Um den Anschein von Neutralität zu wahren, zitiert die Presse lieber Verbraucherschützer. Dort bekommt man dann die entscheidenden Hinweise. Jeder, der in diesem Bereich Beratung gegen Entgelt, Courtage oder Provision anbietet, ist potentiell verdächtig. Ausnahme sind die Verbraucherschützer selbst. Dort werden die Gehälter aus dem Steueraufkommen bezahlt, sodass kaufmännische Überlegungen in eigener Sache eher nachrangig sind.

Betriebe wie Transparo oder ein Versicherungsfachmakler brauchen ein wirtschaftliches Fundament und damit eine faire Bezahlung, das dürfte unstrittig sein. Diese ist jedoch nur dann gerechtfertigt, wenn eine Leistung erbracht wird, die dem Kundeninteresse nicht nur scheinbar dient.

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